Entschuldigen Sie. Meine liebste Qigong-Übung.

Was meine liebste Qigong-Übung sei, wollte man für einen Newsletter der Heilpraktikerschule Luzern, an der ich auch Dozent bin, wissen.
Meine Antwort.

Meine liebste QiGong-Übung ist das Flirten. Flirten ist QiGong? Ja. Aber meinen wir dasselbe mit Flirten? Ich meine nicht das kleine Flirten, mit dem man sich letztendlich nur beweisen will, wie großartig man selber ist. Das große Flirten ermutigt das Gegenüber, sich so zu zeigen, wie es sich selber noch nicht kennt. In einer Größe und Schönheit, die nicht nur überrascht, sondern umwirft.

Das Gegenüber im QiGong ist aus meiner Sicht die Übung, aus der Sicht der Übung bin ich es. So ist QiGong für mich immer ein Begegnen, ein Dialog. Ein Dialog, der, wenn ich mich flirten lasse, mich ermutigt, über mich selbst hinaus zu wachsen.

Das praktiziere ich am liebsten am Meer. Dort werde ich geflirtet bis zum Gehtnichtmehr – und es geht immer mehr. Es lehrt mich alles, bis ins kleinste Detail. Über das Entspannen, über Wellen, die durch mein System fließen, meinen Körper bewegen, in den Händen brechen und Kraft freisetzen. Über innere Weite und die Tiefe des Unergründlichen. Auf das Meer blicken, mich zum Horizont ausdehnen. Mich vom Wind streicheln lassen, mich von den Düften und Klängen verführen lassen, ohne mich zu verlieren. Mich umwerfen lassen, ohne meine Struktur zu verlieren. Alle Sinne öffnen, mich dem Unbegreiflichen stellen und mich ergreifen lassen. Bis wir nicht mehr getrennt sind.

Welche äußere Übung da mitschwingt, wird zur stimmigen Nebensache, die sich meist aus dieser inneren Qualität heraus ergibt.

Und wenn gerade kein Meer in der Nähe ist? Ich habe es immer bei mir. Ich bin das Meer, der Wind ist mein Atem, die Wellen sind meine Bewegungen.

Martin Schmid, Mai 2013

Inspiriert? Hier gibt es Meer.