Von Push Hands zu Open Hands | Ebenen des Begegnens


Open Hands United

In der Werbung definiert ein Grafiker ganz genau die Farbwelt für ein Produkt. Der Texter definiert die Wortwelt. Beim Grafiker nennt man das «Design», beim Texter «Wording». Worte sind Welten. Erschaffen Welten.

Nicht nur, wenn unser Lieblingsschriftsteller Charaktere und Orte erschafft, die in uns lebendig werden. Auch ganz normale Bezeichnungen erschaffen Welten. Darum geben Firmen Unmengen an Geld aus für die richtige Bezeichnung eines Produktes oder für den richtigen Werbespruch.
«Push Hands» ist eine Übersetzung des chinesischen «Tui Shou», welche sich bei uns etabliert hat. Wir gebrauchen den englischen Begriff, kaum jemand sagt «Stoßende Hände». «Schiebende Hände» wäre eigentlich die genauere Bezeichnung.
Der Schwerpunkt wird bei der Bezeichnung «Push Hands» auf stoßen gelegt. Bevor wir auch nur das erste Mal in eine Push Hands-Interaktion getreten sind, haben wir schon die Vorstellung, es gehe um das Stoßen. Das ist natürlich richtig, wir stoßen im Push Hands auch, doch ist das ein sehr grobes Wort für die vielen subtilen Differenzierungen, die wir kultivieren. Vor allem aber ist stoßen bei Weitem nicht alles. Ebenso fühlen, spüren, empfinden, finden, hören, fragen, kommunizieren, kontaktieren wir mit den Händen.
«Pushen» hat im Deutschen zudem einen Unterton, den wir kaum bewusst wahrnehmen, der jedoch unsere Herangehensweise mitprägt. Wenn wir «pushen» gebrauchen, meinen wir damit ein Handeln, das die Tendenz zum Forcieren und Erzwingen hat. «Er hat mich dazu gepusht, es zu tun» oder «Der CEO pushte seine Leute bis zur Höchstleistung (und bis zum Burnout.») sind Beispiele dafür. «Pushen» heißt eingedeutscht auch drängen (wie im Englischen auch).
Das Wording an sich ist also schon ein Grund, warum es vielleicht sinnvoll ist, einmal gründlich über die Bezeichnung «Push Hands» nachzudenken. Der Kontext, in welchem wir Push Hands üben wollen, ist ein anderer Grund.
Damit wir den Kontext differenziert betrachten können, schauen wir uns ein Modell an, das uns ermöglicht, Kampfkunst im evolutionären Sinn zu sehen.

Eine kurze Geschichte der Kampfkunst

Um die Ebenen der Kampfkunst etwas zu erläutern ziehe ich das Modell von Spiral Dynamics bei (nicht zu verwechseln mit der Spiraldynamik). Spiral Dynamics beschreibt die Entwicklung der grundlegenden Wertestruktur (Wertelinie) des Menschen. Es werden verschiedene Ebenen beschrieben und diese mit Farben benannt.
Alle Menschen beginnen «unten» und wachsen durch die Ebenen – bis sie irgendwo stagnieren oder längere Zeit (u.U. Jahrzehnte) pausieren. Die Wertestruktur (oder die Ebene der Entwicklung der Wertelinie) bestimmt das Weltbild und somit in großem Maße den eigenen Umgang mit der Welt, die Wahrnehmung, die Interpretation und das Handeln.

Rot/Purpur/Beige
Instinkte. Gewinnen. Starksein. Freiheitsdrang. Impulsivität. Magie.

Es geht ums Überleben.

Kampfkunst: Kampfkunst heißt kämpfen um zu gewinnen. Es ist Wettbewerb und mehr: Überleben ist alles. Alle Mittel sind recht.
Der Partner ist nicht Partner, sondern Feind. Regeln und Fairness spielen keine Rolle, nur das Gewinnen ist wichtig.



Blau
Wahrheit. Hierarchie. Tradition.
Der Meister ist der Meister. Folge ihm. Das ist der Weg.

Kampfkunst: Es wird exakt nach Meister XY oder Stil XY gearbeitet. Der Meister/Stil wird nicht hinterfragt, im Gegenteil: idealisiert. Man praktiziert Traditionelles, das sich über Jahrhunderte bewährt hat. Neues braucht es nicht. Die exakte Form, so wie sie Meister XY praktiziert, ist das einzig wahre Kriterium und der einzig wahre Weg. Man ist vielleicht tolerant gegenüber anderen Schulen, Stilen, Meistern. Sie werden geduldet, jedoch nicht als Bereicherung für die eigene Praxis gesehen. Es wird diskutiert, welcher Stil der bessere ist (natürlich der eigene).
Push Hands wird nach Meister XY geübt. Freies Push Hands wird wenig oder gar nicht praktiziert. Routinen (feste Bewegungsabläufe) sind die richtige Übungspraxis.
Positiver Aspekt: Dem Meister bzw. Lehrer wird Respekt entgegengebracht, was auf anderen Ebenen fehlen kann.



Orange
Wissenschaft. Struktur und Ordnung. Rationale Analyse. Denkender Verstand. Materialismus. Fortschritt.
Es existiert das, was erklärt werden kann.

Kampfkunst: Großes Interesse an der Struktur. Alle Kraft kommt aus der richtigen Körperstruktur. Es wird im wissenschaftlichen Sinn einer Trennung des Forschers und des Forschungsobjekts erforscht, nicht erfahren. Es wird reduziert, damit sich Sinn ergibt. Integrale Bewegung zum Beispiel kann auf Physiologie reduziert werden. Push Hands wird auf Körpermechanik reduziert.



Grün
Die Welt ist Harmonie.
Pluralistisch, multikulturell. Vielfalt wird als solche geschätzt.

Die westlichen Übernahmen von Yoga, Taiji, Shiatsu etc. konnten nur auf grünem Boden gedeihen und damit die Öffnung zu subtilen Ebenen des Seins unterstützen. Harmonie zwischen den Vielfalten ist wichtig. Daraus kann Harmoniesucht entstehen und diese zu einem oberflächlichen Verständnis von Harmonie führen, in der das Individuum im Kollektiv verschwindet: «Wir sind alles Menschen. Alles ist eins.» Das stimmt, wird von Grün aber gerne reduktionistisch eingesetzt. Individuen werden nicht unbedingt geschätzt (außer friedliebende Menschen wie Gurus, Nelson Mandela, Franz von Assisi etc.). Pazifistisch. Empfindet eine Konfrontation als Angriff. Ist das Opfer und braucht Täter. Kann mit Konflikt nicht umgehen. Das hat damit zu tun, dass zwar der Wert der Vielfalt erkannt wird, sie kann jedoch noch nicht in ein großes, stimmiges Bild gebracht werden. Also leimt man einfach alle Einzelvielfalten mit dem Leim der Harmonie zusammen.
Als ganze Generation, welche erstmals Grün durchlebte, zeigte sich Grün als Ära der Softies. Flowerpower und Hippies. Jedes erste Aufbrechen zeigt extreme Formen auf, die nicht als gesunder Maßstab für die spätere Entwicklung gelten können. Junge Menschen, die heute die grüne Ebene durchlaufen, sind sehr herzlich und verletzlich zugleich. Da sie offen sind, brauchen sie Harmonie. Sie werden auf späteren Ebenen lernen, auch in Konflikten offen zu bleiben, wenn sie auf der grünen Ebene nicht traumatisiert worden sind, sondern Offenheit als eine positive Eigenschaft erfahren konnten. Es ist wie surfen lernen: Zuerst lernen wir am Strand auf dem Surfbrett zu stehen, dann im ruhigen Wasser, dann in kleinen Wellen, dann in großen Wellen. In Bezug auf die Köbi-Dynamik waren alle vorhergehenden Ebenen dem Zentrieren gewidmet (und damit auch, in ungesunder Form, der Selbstüberschätzung). Bei Grün nun entfaltet sich das Öffnen.

Kampfkunst: Wir sind friedliebend und nehmen kein Schwert in die Hand. Wir machen ein sanftes Push Hands ohne Konfrontation. Der gemeinsame Fluss im und aus dem Herzen ist alles, was es braucht. Grüne getrauen sich nicht zu pushen. Sie wollen weder angreifen noch weh tun. Softie-Push Hands, schwebendes Push Hands immer währender Harmonie. Lernen sie dann zu stoßen, kann sich viel Spaß entwickeln, da stoßen auch befreiend sein kann.



Gelb
Lerne das Schwert zu führen. Lerne es nicht zu gebrauchen.

Wir erkennen den Wert des Gesamten und damit aller anderen Entwicklungsstufen. Wir können sie in ein stimmiges Ganzes einordnen. Ein gewisser Stressfaktor ist da, weil durch das Erkennen der Entwicklungsstufen auch die Notwendigkeit erkannt wird, dass sich die Menschheit momentan schnell entwickeln sollte.
Die Köbi-Dynamik zeigt, dass nun Ausdehnen geschieht. Dinge kommen in Bewegung.

Kampfkunst: Wir können andere Künste, Techniken, Schulen, Perspektiven annehmen und integrieren. Vielleicht können wir noch nicht damit umgehen, aber wir lernen es. Wir erkennen den Wert verschiedener Stile, verschiedener Menschen für unser Wachstum. Push Hands ist dazu ein ideales Lernfeld. Wir nehmen an was kommt und lernen. Wir integrieren verschiedene Perspektiven in ein stimmiges Ganzes, so auch Traditionen und neue westliche Erkenntnisse.
Der wichtigste Lehrer bin ich selbst, das heißt mein höheres Selbst, zu dem ich eine konstante Verbindung habe. Das macht mich nicht zum Egozentriker, sondern zu einem selbstverantwortlichen Menschen.

Türkis
Intersubjektives Potenzial, kollektive Intelligenz bewusst fördern und einsetzen

Nun findet die eigentliche Begegnung in der Köbi-Dynamik statt.

Kampfkunst: Wir kreieren ein gemeinsames Zentrum, das dynamische Harmonie ermöglicht. Wir erschaffen ein Lernfeld, in dem wir beide lernen. Kampfkunst ist ein gemeinsames Lernfeld, um etwas zu erreichen, das mehr ist als die Summe der beiden Partner.

Von Push Hands zu Open Hands United

Wir haben nun eine kurze Geschichte der Kampfkunst betrachtet. Diese Geschichte ist jedoch nicht Vergangenheit, sie findet in ihrer Gesamtheit immer noch statt. Von rot bis türkis (und darüber hinaus) findet sie in diesem Moment statt. Jetzt gerade wird jede Ebene irgendwo auf der Welt verkörpert. Vertretern aller Ebenen können Sie gegenüber stehen, wenn Sie eine Push Hands-Klasse besuchen. Freundliche, vernunftbegabte Menschen können, wenn sie Push Hands machen, zu seltsamen, irrationalen Wesen mutieren. Das scheint jetzt vielleicht etwas arg überspitzt formuliert. Ist es nicht.

Als ich mich mit dem Sachverhalt des Push-Settings intensiver auseinandersetzte, hatte ich ein Schlüsselerlebnis. Meine Frau, mit der ich damals zu pushen begonnen hatte, und die Push Hands immer sehr mochte, war zu einer offenen Übungsgruppe gekommen. Nach der Stunde sagte sie mir: «Ich habe es nicht mehr nötig, so hart und unangemessen, undifferenziert und unklar herumgestoßen zu werden. Das nimmt mir die Freude am Pushen. So nicht mehr.» (Kleine Anmerkung am Rande: Ich hatte während dieser Session nicht mit ihr gepusht.)

Und es stimmte. Sie hat es nicht mehr nötig, ich hatte es beobachtet. Nicht, weil sie «besser» wäre. Sondern weil man nach vielen Jahren des Selben bereit ist für einen weiteren Schritt. Diesen hatte sie längst getan, doch sie konnte nicht auf ihrer Ebene Push Hands üben.

Ich sage zwar immer, es helfe, das Interaktionsspektrum zu weiten, wenn man mit möglichst vielen Menschen Push Hands macht. Das stimmt nach wie vor. Das Push-Setting verhindert dieses Spektrum jedoch auch, weil so sehr auf das Stoßen fokussiert wird. Auf das Stoßen auf der physischen Ebene mit Muskelkraft. Weil man sich schließlich in einem Wettbewerb befindet. Umgehen kann man das nur, indem man entweder in einer geschlossenen Gruppe übt, in der sich alle einig sind, dass es um die subtileren und wesentlicheren Bereiche geht und Wettbewerb kein Thema mehr ist. Das engt jedoch das Interaktionsspektrum ein, weil man nur noch immer mit denselben Partnern übt.

Oder aber man definiert ein Setting, welches entweder gewisse («untere») Ebenen gar nicht interessiert oder aber, und das ist in unseren Breitengraden eine große Chance, das Potenzial in den Praktizierenden freilegt.

Die Aussage meiner Frau war nur der letzte Tropfen. Zu oft hatte ich Menschen gesehen, die, anfangs begeistert, frustriert vom Push Hands abließen, weil sie sich nicht mehr auf gröbste und unangebrachte Weise abfertigen lassen wollten.

Damit sich meine Frau weiterentwickeln kann, braucht sie nicht andauernden Kontakt mit Vertretern der unteren Werte-Ebenen, sondern mit Vertretern derselben Ebene und der Ebenen darüber. Damit viele anfangs Begeisterte sich nicht frustriert abwenden, brauchen sie dasselbe Setting.

Push Hands ist gut für die Ebenen rot bis orange. Ab Grün jedoch ist Push Hands nicht mehr sinnvoll. Dann ist Open Hands sinnvoll.

«Open Hands» bedeutet, dass man sich mit offenen Händen, offenen Armen und somit schlicht und einfach offen begegnet und aus diesem Begegnen (begegnen) eine natürliche Dynamik entstehen lässt. Äußerlich gesehen stehen sich immer noch zwei Menschen gegenüber und werden sich stoßen. Doch die Voraussetzung ist eine andere. Es geht nicht mehr um Wettbewerb und gewinnen, es geht um Lernfeld und lernen.

Wir sind zentriert und offen und gehen von da aus in Kontakt. Dieser Kontakt ist einzigartig, und wenn wir tatsächlich offen und in Kontakt (begegnen) sind, wird sich sofort eine natürliche Dynamik zu entwickeln beginnen. Diese Dynamik ist einzigartig. Dies ist der Schritt von Push Hands zu Open Hands. Es ist dasselbe und ist es nicht. Wenn Sie lernen wollen, wie Sie jemanden möglichst schnell möglichst weit wegstoßen, dann lernen Sie Push Hands. Wenn Sie lernen wollen, wie Sie unter allen Umständen entspannt und potenzialdynamisch in Kontakt bleiben können, lernen Sie Open Hands. Wenn Sie lernen wollen, sich zu verteidigen, lernen Sie Push Hands. Wenn Sie lernen wollen, sich nicht verteidigen zu müssen, lernen Sie Open Hands.

Open Hands umfasst natürlich alle «Techniken» des Push Hands, und wir üben darin alle Prinzipien wie Struktur, Flexibilität, Intra- und Interconnection, Kreativität und Resonanz; wir üben die Gestalt, die Wellenformen, die Spirale; wir üben die vier Äußerungen entspannte Kraft und entspannte Stärke, rezeptiv entspannte Kraft und rezeptiv entspannte Stärke. Und wir üben natürlich die Kunst des Begegnens mit all seinen Faktoren.

Es bleibt jedoch nicht beim Umfassen. Die Prinzipien werden kontinuierlich subtilisiert und verwesentlicht. Open Hands bietet ein Setting, in dem dieses Subtilisieren und Verwesentlichen möglich ist, weil es ein Lernfeld kreiert, in welchem diese zwei Qualitäten explizit benannt werden, statt in einem Wettbewerbs-Setting ignoriert, vergessen oder ganz bewusst über Bord geworfen zu werden.

Es gibt keine Open Hands Schulen (nur Treffen). Eine «Schule» bedeutet immer eine Einengung des Interaktionsspektrums. Open Hands kann Menschen ansprechen, denen andere Kampfkünste zu wettbewerbsorientiert oder zu techniklastig sind. Praktizierende von Kampfkünsten finden darin eine Form der Interaktion, welche ihnen erlaubt, die potenzialdynamischen Aspekte ihrer eigenen Kampfkunst zu differenzieren, um sie anschließend in ihre Kunst zu integrieren. Praktizierende von Verteidigungskünsten wie Aikido finden darin ein Gefäß, in dem sie auch das Angreifen kultivieren und damit transzendieren können.

Natürlich ist Open Hands die gemeinsame Realisierung der Köbi-Dynamik. Jegliche Techniken, die daraus entstehen, sind nur momentane Verfestigungen auf Grund eines Fokus im Lernprozess. Es werden jedoch von Anfang an keine Techniken gelehrt. Es wird die Köbi-Dynamik differenziert, integriert, subtilisiert und verwesentlicht. In der freien Interaktion, und dahin führt Open Hands immer wieder, kann es keine Techniken geben.

Nun. Dazu muss gleich etwas gesagt werden, ein Gegengewicht gesetzt werden: Wir lernen nicht, uns zu begegnen, indem wir uns positiv darauf einstellen. «Die Kunst des Begegnens» klingt zwar abgedroschen. Heute gibt es für alles eine «Kunst». Doch der Begriff hilft uns trotzdem. Kunst basiert auf solidestem Handwerk. Ein anderes Wort für Handwerk ist Kompetenz. Wir kultivieren durch Open Hands verschiedenste Kompetenzen. Die Kompetenzen sind die integralen Bewegungskompetenzen, die bis in die tiefsten/höchsten/weitesten Aspekte des Seins subtilisiert und verwesentlicht werden. Die Kompetenzen rauben dem Moment nicht die Magie, sie ermöglichen sie. Wenn wir uns nicht den Kompetenzen widmen, und damit dem Handwerk, und damit den Techniken, engen wir unser Bewegungs- und Interaktionsspektrum ein und bringen es nicht zur Entfaltung. Es besteht eine Tendenz, die Kompetenzen ob der Magie oder auch der persönlichen, der kulturellen, interkulturellen und politischen Dimensionen, die Open Hands annehmen kann, zu vergessen. Tun wir das nicht. Alles braucht ein Fundament der Kompetenz.

Somit machen wir also den Schritt vom Überlebenskampf (und sei es nur das Überleben des Ego) zur Kultivierung der Begegnungsqualität. Etwas, das in unserer zunehmend vernetzten Welt extrem wichtig werden wird, und wo es noch an allen Ecken und Enden fehlt. Denn was nützt uns Vernetzung, wenn wir uns nicht wirklich begegnen können?

Jetzt ist es nur noch ein kleiner Schritt zu Open Hands United. Open Hands trennt nicht, lässt nicht einen Gewinner und einen Verlierer zurück, sondern zwei Menschen, die etwas miteinander und voneinander gelernt haben, weil sie sich begegnet sind. Open Hands vereint. Das «United» unterstreicht und würdigt diese Qualität. Open Hands United ist kein neuer Stil, keine neue Methode, keine neue Schule, keine Religion. Es ist ein Setting für eine neue Ebene. Open Hands United ist das denkbar einfachste Setting, welches uns erlaubt, gezielt, wesentlich und potenzialdynamisch zu üben und zu lernen. Es gibt keine Turniere und keine Ränge. Das einzige Ziel ist der konstante Lernprozess. Ein sich fortwährend differenzierender und integrierender Prozess. Dieses Setting kann von allen Push Hands-Praktizierenden, die das wünschen, übernommen werden. Anlässen kann damit eine klarere Richtung gegeben werden, die «Überlebenskämpfer» lassen sich entweder auf eine Transformation ein oder werden von dem Setting gar nicht angezogen.

Das Resultat sind Menschen, die Begegnen kultivieren. Die lernen, einander zu begegnen. Offen und vorbehaltlos, ohne eine oberflächliche Scheinharmonie kreieren zu müssen und dann darauf achten zu müssen, dass niemand diese stört. Wir lernen, Menschen offen und vorbehaltlos zu begegnen, die wir nicht mögen. Deren Ansichten den unseren widersprechen. Wir sind offen zu lernen, haben aber gleichzeitig unser Zentrum, unseren Standpunkt. Und wir sind bereit, ihn gewaltlos zu vertreten. Wir können uns abgrenzen, ohne abzulehnen.

Weitere wichtige Stichworte in Verbindung mit Open Hands United sind Friedensförderung, interkultureller Austausch, Konfliktlösung, Dialogkompetenz; initiieren, fördern und festigen von Beziehungen, sich selbst und andere verstehen, den freien Interaktionsfluss fördern, zusammen arbeiten, zusammen lernen. Vielleicht wird das Potenzial dadurch etwas ersichtlich. Zum Beispiel, wenn man Open Hands United in Schulen bringt.


So wie integrale Bewegung aus dem Bedarf entstanden ist, ein optimales Lernfeld für Bewegung zu kreieren, so ist Open Hands United aus dem Bedarf entstanden, ein optimales Lernfeld für integrales Begegnen zu kreieren. So wie integrale Bewegung das Bewegungsrad nicht neu erfindet, sondern auf neue Weise erforscht und differenziert, so erfindet Open Hands United das Begegnungsrad nicht neu, bietet aber ein neues Forscherfeld und neues Forscherequipment, neues Wachstum – und damit neue Einsichten.

Open Hands United: Das Setting

Wir üben uns darin
zentriert zu sein und zentriert zu bleiben
offen zu sein und offen zu bleiben
in Kontakt zu gehen und in Kontakt zu bleiben
uns zu begegnen und im Begegnen zu bleiben
integrierend zu handeln und integrierend zu sein

So starten wir eine Dynamik.
So starten wir einen Dialog.