Korsika-Journal 2014

Alles Gute zum zehnjährigen Jubiläum!

 

 



Einleitung

Ich muss gestehen: Ich hatte während der Woche keine freie Minute um zu schreiben. Ich wusste aber, dass ich das nachholen würde. Als dann allmählich die oft auf Essentielles reduzierten Beiträge der anderen Teilnehmer eintrafen – jedes Mal eine Freude! – wurde mir klar, dass ich für dieses Journal derjenige sein würde, der etwas die äußeren Umstände beschreibt. Das mache ich gerne, denn die Woche bleibt mir lebhaft in Erinnerung. Sie war einzigartig auf viele Weisen, und die äußeren Umstände gehören da einfach unbedingt dazu.
Beigetragen haben

Isa (auf blau-violettem Grund)

Cornelia

Angela (auf grünem Grund)

Céline

Susi

Thomas hellgrün auf dunkel-violett,
und meine Beiträge in schwarz/weiß, je nach Hintegrund.
Fotos haben André und ich beigesteuert.
Es bleibt mir nur noch, allen Beitragenden ganz herzlich zu danken!

Martin

Die Korsika-Wochen sind vermutlich die einzigen Kurswochen mit einem eigenen Soundtrack. Gönnen Sie sich doch ein wenig Stimmung dazu. Da das Meer dieses Jahr wellenlos war, dieses Mal ohne Hintergrundrauschen.

 

Die Musik gibt's übrigens auch als Download!

Das Wetter ist gut in Korsika. Immer Sonne!

Das Wetter

Wir sind draußen in Korsika. Darum sind wir ja dort. Und das Wetter spielt eigentlich immer mit. Dieses Jahr, so scheint es – beziehungsweise die Sonne –, spielt es besonders mit.
Vielversprechend!

Ich bin gespannt, ob es tatsächlich so sein wird.

Vorfreude

Vorfreude pur, gemischt mit leichter Ungewissheit was da auf mich zukommt.
Morgen geht’s los......
Eine Woche Korsika in der Gruppe, in Bewegung mit zentrieren, öffnen, ausdehnen, verbinden und integrieren! Da bin ich wirklich gespannt?

Freitag & Samstag – reisen & ankommen

Wegen Pfingsten treffen die Fahrgemeinschaften sich früh.
Um dem Stau zu entkommen.
Wir entkommen und gleiten reibungslos ans Meer.

Ich reise in ein Land mit meiner Nase, nehme die Gerüche auf, erinnere mich und entdecke neues Unbekanntes. Ich liebe den Fahrtwind, der mir ins Gesicht bläst, deshalb sind Autos mit AC nichts für mich.

Der erste Blick aufs Meer ist immer überwältigend. Die unendliche Weite, der grenzenlose Horizont, das leichte, sanfte Rauschen des Meeres, die wunderschönen Farben und der unbeschreibliche Duft des Meeres versetzen mich schon in eine andere Gefühlswelt.

Noli, die kleine Stadt an der italienischen Küste, ist unser Puffer. Wir liegen am Kieselstrand, baden das erste Mal, lernen uns kennen.

Nous nous retrouvons.
Chacun différent, avec ses envies, ses bagages, ses certitudes...
Des uns deviennent un nous.

Eindrücke aus Noli. Ein Herz an der Türe verrät, dass der Ladenbesitzer gleich wieder kommt.
Licht- und Schattenspiele in Noli
Restaurant in Noli
Warme Steine am Strand in Noli

Lea, die heuer das zweite Mal mitkommt um zu unterrichten, weiß, dass ich manchmal schwierige Fragen stelle. Echte Fragen, auf die ich keine Antworten habe. Ich habe Zeit, mit ihr über die Woche zu reden, die da kommt.
Wir reden natürlich das ganze Jahr darüber. Einmal hat sie mich gefragt, oder, eben weil sie mich so gut kennt, ermahnt: «Wir werden am Anfang die Teilnehmer nach ihren Erwartungen fragen, ja? Und wir werden schauen, dass wir diesen Erwartungen gerecht werden, ja?»

«Fragen, ok. Gerecht werden? Nein.»

«Aber wir müssen doch versuchen, die Erwartungen zu erfüllen.»

«Nein.»

Nach einem ungläubigen Blick füge ich hinzu: «Wir werden sie übertreffen.»

Es ist keine Wellness-Woche, obwohl Wohlbefinden natürlich ein Teil sein darf und soll – und hoffentlich wird. Aber die Verknüpfung von spiritueller Arbeit – und Yoga, Taiji, Qigong sind spirituelle Disziplinen – und Wellness ist eine neue New-Age-Idee. Während ich mich mit warmen Strandsteinen bedecke und sie versucht, das fotografisch festzuhalten (siehe letztes Bild), frage ich: «Weshalb fahren wir nach Korsika? Haben wir ein Ziel in dieser Woche? Oder engt eine Zielsetzung ein und verhindert die freie Entfaltung? Worum geht es, wenn wir die Woche und die Menschen wirklich ernst nehmen und nicht nur ein wenig angenehmes Stretching am Strand anbieten?»

Innert Kürze landen wir bei der Achtsamkeit.

Das absolut zentrale Wort, das in der Ausschreibung für die Woche nirgends steht.

Ich bin beruhigt.

Das Meer ist unglaublich ruhig. Still liegt es da, als wüsste es nichts von Wellen.

Ich jogge zu unserem Platz. Und wieder, immer wieder, immer wieder wie ein erstes Mal, berührt er mich. Ich komme an und fühle mich willkommen.

Nachdem auch die letzten Individualreisenden eingetroffen sind, beginnen wir am Samstag Abend als ganze Gruppe damit, dass ich im Restaurant beim Tischerücken (nein keine Séance, nur Platz schaffen) ein Glas zerschmettern lasse. «Hallo, ich bin also Martin.»

So viel zum Thema Achtsamkeit.

Eine große Gruppe. 15 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, meine Frau Gisela eingerechnet, dazu Lea und ich. Und es ist eine Premiere: zu unserem zehnjährigen Jubiläum werden wir das erste Mal Schweizerdeutsch reden, weil alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der Schweiz stammen. Das wird mein Hirn ein wenig entlasten.

Sonntag – zentrieren & öffnen

Ich initiiere die Köbi-Dynamik: zentrieren, öffnen, ausdehnen, begegnen, integrieren. Das Gefäß ist immer dasselbe. Durch die Menschen füllt es sich immer anders.
Und ich erläutere den integraldynamischen Prozess. Die Köbi-Dynamik ist eingebettet in die Kultivationsverben: beobachten und empfinden, differenzieren und integrieren, subtilisieren und verwesentlichen.
Thomas sagt zu recht, das könne er sich nicht alles merken. Er nenne es Achtsamkeit. Ja! Das ist ja auch die richtige Abkürzung dafür. Da haben wir sie wieder, die Achtsamkeit. Wie sich die Dinge zeigen, wenn sie reif sind.

Initiieren, impulsieren, danach folgt das Kultivieren durch begleiten. Leas und meine Aufgabe ist in dieser Woche vor allem, präsent zu sein.
Es zeigt sich, dass die Gruppe schnell in die Köbi-Dynamik einsteigt und sie sich auf vielen Ebenen entfalten kann.

Es ist wie es ist, es kommt was kommt und ich lasse mich ein auf diese tiefe Reise in unbekannte Schatten meines Seins.

Gefühl von Ausgeschlossen sein, nicht willkommen. Oder schließe ich mich selbst aus, durch den Rückzug, den ich wähle, wenn das Gefühl aufkommt?

«Warum sind wir hier? Was hat uns hierher geführt? Die oberflächliche Antwort ist offensichtlich. Vielleicht bin ich hier, weil ich intensiv Yoga, Qigong oder Taiji machen will. Vielleicht bin ich hier, weil ich Ferien in einer Gruppe machen möchte. Oder weil ich schon hier war und es mir gefällt.
Wenn wir jedoch eine Antwort nicht als Endstation, sondern als Stufe sehen, können wir Schritt für Schritt, Antwort für Antwort tiefer sinken. Warum bin ich hier? Was hat mich hierher geführt?
Die Frage ist nicht etwas, was man beantwortet und abhakt, sondern ein Gesprächspartner. Die Frage ist meine Partnerin für einen inneren Dialog.
Die meisten von uns suchen nicht Antworten, sondern Wachstum. Es ist wichtig die Antwort nicht nur zu sagen, sondern sie zu sein. Sie zu verkörpern. Sie zu leben. So entsteht der Dialog des Lebens.»

Wer bin ich, was möchte ich und wohin geht mein Weg... Auf der Suche nach mehr Klarheit... So lasse ich mich ein auf diese tiefgreifenden Erfahrungen.

Dieser wunderschöne Bewegungs- und Begegnungsplatz am Meer mit seinen feinen Düften, Klängen, das Rauschen des Meeres und des Windes lassen einen in eine andere, magische Welt eintreten.

Si je me centre, je vais m'ouvrir ?
Que ce passe-t-il lorsque je m'ouvre ?

In die Knie gehen und Wurzeln in die Erde wachsen lassen
Das Becken entspannen und fallen lassen wie einen Stamm
Den Oberkörper wie die Blätter am Baum schwingen lassen

Montag – öffnen & ausdehnen

Die Sehnsucht nach dem Horizont ist groß und das «Singen des Horizontes hören» muss ich noch etwas üben, diese Übung fällt mir schwer, oder besser, sie ist nicht einfach für mich.

Sans ouverture, je ne peux saisir, sans saisir, je ne peux comprendre
Sans comprendre, puis-je donner un sens à ma vie ?
Si je pense à ma vie, ou si je pense à la Vie, est-ce que je vais m'ouvrir différemment ?

Chaque fois que je centre, je peux observer, ressentir, différencier, affiner, subtiliser...
Ce qui me donne à chaque fois une autre couleur, une autre profondeur, une autre ouverture...
Et, chaque fois que j'ouvre, je peux faire de même...
Les verbes s'enrichissent les uns les autres.

Si je me centre, je peux m'ouvrir.
Comment trouver, sentir un centre ?
Prendre conscience de mon corps m'aide-t-il à trouver un centre ?

Si je m'ouvre, je peux entrer en dialogue, si je dialogue, je peux trouver des informations, de l'aide, des exemples, des solutions...

Was brauche ich, um mich öffnen zu können?
Vertrauen.
Ich bin froh, dass als Antwort nicht Sicherheit gekommen ist. Denn Sicherheit ist eine Illusion.
Vertrauen hingegen ist eine Kraft. Sicherheit ist ein Konzept, vertrauen ist ein Verb. Ein Verb, das ich selbst manifestieren kann. Eine Kraft, die ich selbst kreiere, indem ich mich dafür entscheide. Vertrauen ist zudem eine Beziehungssache. Es muss ein Anderes da sein, und sei es nur in sich selbst. Ohne ein Anderes können wir vertrauen. Um vertrauen zu können, muss ich etwas oder jemandem vertrauen können. Sei dies dem Kursleiter, sei dies mir selbst, sei dies einer größeren Kraft. Vertrauen ist eine Kraft, die durch einen Dialog entsteht, und ist daher dynamisch, wohingegen Sicherheit statisch und starr ist.

Und schon sind wir voll im übergreifenden Thema der Korsika-Wochen: Bewegung als Dialog.
Mit der Reise nach Korsika entsteht ein Gewebe vielschichtiger, sich überlagernder Prozesse: die Reise selbst, die Gruppe, Bekannte und Unbekannte, unser einmaliger, einsamer Platz unter den Pinien am Strand, die Bewegungen unserer Körper und unseres Geistes, die Sonne, das Meer, die Düfte und Klänge, das Zusammensein an den Abenden...

Ankommen an unserem Platz für integrale Bewegung, Taiji Taichi, Qigong und Yoga
Morgenstimmung in Korsika

Sich hingeben, sich berühren lassen, sich flirten lassen von der unbeschreiblichen, schönen Natur auf Korsika.

Die vielschichtige Dynamik ist bereits im Gang.

Chaque verbe peut être toujours redécouvert, affiné, approfondi...
Et c'est toute notre perception, notre vision qui change, permettant un nouveau regard.

Ouvrir-ressentir-observer-affiner-différencier-intégrer... Si je m'ouvre, j'entre en contact avec ce qui m'entoure. Je me lie, je me relie Avec qui, avec quoi...

Bereit sein
Empfangen
Sein im Hier und Jetzt

Dienstag – ausdehnen & begegnen

 

Das Wetter?
Es findet statt! Und wie vorhergesagt! Sonne, Sonne, Sonne. Mit dem sanften Wind ist es immer angenehm warm.
Das Meer still, als würde es schlafen. Wovon es wohl träumt?

Qu'il est bon de caresser l'horizon, de lui murmurer à l'oreille.

Mon centre s'en nourrit, me permettant d'encore m'ouvrir, m'agrandir, m'enrichir.
De saisir, de comprendre, de donner, de lâcher.

Ma perception est-elle la réalité ou ma réalité ?
Mon centre est-il la réalité ou ma réalité ?
Combien de réalité y a-t-il donc ?

Zuhause bewege ich mich in der Ruhe des Waldes, hier ruhe ich in der Bewegung des Meeres. Ich habe ein bisschen Horizont erkannt. Doch welcher Stimme soll ich folgen? Ich weiß nicht, welches meine innere Stimme ist und welche die meines Egos und meines Verstandes.

Ausdehnen ist eine sehr sanfte Sache, die sich ganz natürlich aus dem Öffnen ergibt. Durch das Öffnen strömt Raum in den Körper und das Wahrnehmen ein. Früher oder später ergibt sich durch dieses Strömen eine Überfülle und das Strömen kehrt sich um: Nun strömt der Körper in den Raum hinein. Das ist die Geburt jeder Bewegung. Dies ist ein ganz natürlicher Vorgang. Er braucht kein Ich und kein Wollen, keinen Gedanken, keinen Willen. Ausdehnen geschieht einfach. Das ist das Ausdehnen, das wir suchen. Ein natürlicher Vorgang, der aus sich selbst heraus geschieht durch eine Sättigung. Und das, wie wir sehen werden, in eine dynamische Ruhe mündet wie ein Fluss ins Meer. Diese Art von ausdehnen ist selbstredend eine andere als die, die unsere Gesellschaft bis zum Burnout zelebriert.

Wir praktizieren nicht, um besser zu werden, sondern um zu integrieren. Das ist ein gewaltiger Unterschied. Und hier liegt der Schlüssel zum richtigen Ausdehnen. Denn ein solches Ausdehnen wird sich nie zur Hauptsache machen.

Sein im Hier und Jetzt, nichts ist wichtig was vorher war oder was nachher kommt…..sondern einfach die unendliche Fülle des Augenblick bewusst wahrnehmen und erleben.

So eröffnen sich mir jeden Tag neue, unbekannte Welten, erfüllt mit vielen kleinen Freuden, die ich nur wahrnehmen kann, wenn ich mich fallen lasse.

Observer-sentir-intégrer-différencier-subtiliser
Ses verbes changent-ils ma manière de percevoir ?

Si j'intègre dans mon centre ouvrir, c'est toute l'ouverture qui change...


Den Impuls spüren
Raum einnehmen
Zulassen

Mittwoch – einfach nur Mittwoch

Bonifacio

Mittwochs machen wir einen Ausflug. Fast traditionellerweise nach Bonifacio, die Stadt ganz im Süden. Da viele neue Teilnehmerinnen und Teilnehmer dabei sind, ist das trotz Tradition der erste Besuch. Eine andere Gruppe fährt in die Berge. Eine weitere macht einen Bitch&Beach-Day.

Um die Tradition nicht erstarren zu lassen, habe ich letzten Herbst einen neuen Platz an dieser atemberaubenden Küste ausgekundschaftet. Der gemeinsame Ausflug dorthin lohnt sich. Dieser Platz hat eine ganz eigene Intensität, Kraft und Weite.

Danach leckeres Essen, Café, Glacé. Finden von schönen Sachen in kleinen Läden.

Si je change ma vision, ma référence, mon interprétation change.

Ma vision des choses est liée à mon interprétation.
Est-ce que je regarde les choses comme elles sont ou comme je pense qu'elles sont ?

Nach einem wundervollen Ausflug nach Bonifazio und unterhaltsamen Tanz-Abend weiß ich, dass ALLE in dieselbe Richtung gehen, auf vielen verschiedenen Wegen.
Das Leben ist spannend.

Violett blau schimmernd
das Meer sanft, weit
sich sehnend verbinden
mit dem Herzen der Insel
tief empfindend
Korsika umarmen.

Donnerstag – begegnen & integrieren

Die vorherigen Tage haben ihren eigenen Wert in sich, doch wir haben damit auch gezielt auf den heutigen Tag hingearbeitet. Und wir haben absichtlich schon vorher viele Partner-Übungen gemacht, das Dialog-Yoga und Open Hands. Und vor allem hat sich gezeigt, dass die Dynamik sich bereits frei entfaltet.

Gestern Abend haben sich einige aus der Gruppe zum Tanz getroffen. Sie haben sich ausgelassen eingelassen auf einander und auf Neues. Für mich als Leiter ist das das größte Geschenk: Zu sehen, dass ich nichts tun muss. So bin ich kein Leiter, sondern ein Begleiter.

Wie kommt die Köbi-Dynamik in Gang? Ihr Ursprung ist vielleicht nicht das Zentrieren und das Individuum, falls sie denn einen Ursprung hat. Vielleicht ist der Ursprung auch im Begegnen, und wir werden als Einzelwesen, als Isolierte, als scheinbar Getrennte, von dieser Kraft des Begegnens aus uns selbst herausgezogen (ohne dabei unser Zentrum zu verlieren) und eingeladen, wieder in den uns angeheimateten Hafen, den Zustand des Begegnens zu kommen. So wird aus dem Menschen ein Mitmensch, aus der Umwelt wird eine Mitwelt.
So gesehen ist die ganze Köbi-Dynamik, das Öffnen, das Ausdehnen, eine Antwort. Und auch wenn ich dem keine metaphysische Gültigkeit attestieren will, so hat es doch einen poetischen Wert, der mich tief berührt. Wenn ich mich der Möglichkeit öffne, dass wir von Anfang an Antwortende sind, weckt das im Poeten in mir Kräfte, aus denen Gedichte werden. Im Kampfkünstler weckt es Kräfte, die nach Vereinigung streben statt nach Trennung, nach Dialog statt nach Dominanz. Und entscheidend ist immer, ob etwas Kraft freisetzt. Die konkrete Wirklichkeit ist entscheidend, nicht eine abstrakte Wahrheit. Die Kraft, die daraus entsteht, die Gedichte oder die Begegnungen, sie sind wirklich. Und das zählt. Ich glaube, es ist entscheidend, dass wir uns den Möglichkeiten öffnen, nicht den Wahrheiten. Möglichkeiten tragen das Dynamische in sich. Damit ermöglichen wir etwas. Wahrheiten müssen behauptet und verteidigt werden. Möglichkeiten schaffen Freiraum.
Wir sind als Menschen unglaublich kreativ begabte Wesen. Wir können aus dem schlichten Offensein gegenüber Möglichkeiten Kräfte schöpfen, die sich zu Wirklichkeiten verdichten. Ist das nicht unfassbar?

Köbi bewegt auf allen Ebenen. Jeden Tag. Feste Strukturen kommen ins Wanken, sämtliche „Sicherheitsgurten“ werden gesprengt. Es wird alles durchgeschüttelt, nichts ist mehr so wie vorher. Ich bin im Fluss.

Leas ChiYoga Flows ergänzen das Ganze wie das Sahnehäubchen auf dem Dessert.

Schon beim Öffnen sind wir auf die Voraussetzung des Vertrauens gekommen. Um zu öffnen, müssen wir vertrauen können, und vertrauen ist nichts Isoliertes, sondern eine Beziehungssache. Jetzt sind wir hier angekommen, wo das Vertrauen herkommt, im Begegnen, im Bezogensein, im Antworten.
Eine Antwort ist etwas ganz Anderes als eine Reaktion.

Eine Antwort hat mit Ver-Antwortung zu tun. Ich übernehme meine Verantwortung für mein Tun. Ich bin nicht das Opfer des Anderen. Ich bin in meinem Zentrum verankert. Niemand zwingt mich zu einer bestimmten Reaktion. Es ist meine freie Entscheidung, ob ich reagiere oder antworte. Natürlich muss ich mir dafür verschiedene Kompetenzen erarbeiten. Das erfahren wir auf deutlichste Weise im Open Hands, der Kampfkunstform des Friedens, die uns Zeit und Raum gibt, unsere Reaktionen aufzuspüren, zu lösen, in ein stabiles und agiles Ganzes wieder einzugliedern durch Dekonstruktion und Rekonstruktion. Open Hands schafft Raum, um Antworten zu lernen, denn antworten ist eine Kompetenz, und die Kernkompetenz ist das Zentrieren und Offensein. Kampfkunst wird zur Kunst des Liebens und des Antwortens.

Sich begegnen in der Gruppe, sich bewegen, sich austauschen,
sich unterhalten, zusammen lachen, essen, tanzen,
sich fallen lassen, und sich aufgehoben fühlen in der Gruppe.

Ich spüre mich ganz fest
Ich spüre dich fest
Ich spüre uns ein bisschen

Wir fahren am Abend nochmals zu unserem einsamen Platz.

Erforschen uns durch Dialog-Yoga und Open Hands.

Genießen das Abendlicht, das den Platz in eine andere Welt taucht.

Das Meer ist still.

Wir machen ein Feuer am Strand und essen gemeinsam.

Das Meer ist entspannt.

Die Wirklichkeit verdichtet sich in Magie.

Die Insel
wie eine Muschel
langsam sich öffnend
offenbart sie für einen zarten Augenblick
Einblick in ihre und unsere
tiefste, innerste Schönheit
unseren zauberhaftesten Glanz
um dann langsam in sich kehrend
sich wieder zu schließen.
Bis zum nächsten Öffnen.

Erkennen
Achten
Mitnehmen und bedanken

Freitag – integrieren

«Anfangs hatte ich die Frage gestellt: Warum bist du hier? Und ich habe euch ermutigt, mit der Antwort tiefer zu sinken.
Eigentlich muss man die Frage am Schluss stellen. Oder zumindest auch am Schluss. Denn jetzt hat sich offenbart, warum wir tatsächlich hier sind. Wir erdenken uns das Leben nicht, es zeigt sich uns. Vielleicht sind wir tatsächlich aus dem Grund hier, den wir am Anfang genannt haben. Vielleicht aber hat sich während der vergangenen Tage ein ganz anderer Sinn, ein anderer Grund, eine andere Motivation oder eine andere Herausforderung gezeigt.

Was viele von euch gestern Abend empfunden haben, das ist das Empfinden – das Feeling können wir sagen – der Integration. Integration klingt so sachlich, dabei entsteht hier die wahre Größe, die Würde, hier entstehen die großen Kunstwerke und die kleinen Momente des Lebens, die sich für immer ins Herz senken, hier bricht mit Blick auf das Endliche das Unendliche hervor und ergießt sich in die Welt, macht uns zu dem, was wir sind. All dies geschieht in der Integrationsphase, all dies geschieht nicht, wenn wir von Event zu Event, von Impuls zu Impuls, von Zerstreuung zu Zerstreuung rennen, sondern im stillen Vollenden in der Würde der ungeteilten Aufmerksamkeit.»

Zum guten Schluss machen wir einen Fehler. Wir fragen nach Feedback. Nicht, dass das Feedback schlecht wäre. Aber Feedback ist der Tod des Dialogs. Wir lernen. Wir verkraften es alle.

gemeinsames Abendessen


Wie immer habe ich am Freitag Abend meinen Crash. Ich lasse meine Präsenz los, bin erst einmal ein paar Stunden für gar nichts mehr zu gebrauchen und bin ganz bei mir. Vielleicht könnte ich den Crash grundsätzlich auf Samstag verschieben, doch das will ich nicht. Schließlich ist mir am Samstag ein «Ferientag» auf Korsika gegönnt! Doch bevor wir ihn uns alle gönnen, erwirkt meine Frau mit ihren Verführungskünsten das, was mir bis jetzt nie geglückt ist: Wir können auf der Tanzbühne unsere eigene Musik laufen lassen. Wir lassen alle Tanzbeine schwingen, die wir irgendwie mobilisieren können. Und finden so einen weiteren würdigen Abschluss für eine tiefe und dynamische Woche. Wir sollen nächstes Jahr gerne wiederkommen mit unserer eigenen Musik, sagt der DJ.

Das werden wir. Versprochen.

Die Woche Korsika hat mich tief berührt, bewegt und in Fluss gebracht, mein Leben im Alltag intensiver und bewusster zu erleben.

Je repars avec des verbes, des verbes à mettre dans ma vie quotidienne.
Des verbes qui peuvent changer la couleur de mes journées.
Des verbes qui peuvent changer mes mouvements.
Des verbes qui peuvent changer mes pensées.
Des verbes qui peuvent changer.

Et j'y retournerai, en Corse, pour colorer encore et toujours ces verbes qui nous changent.

Was ist es?

Ist es der Ort
ist es die Wärme
ist es das Wasser
ist es das Rauschen der Wellen
ist es das Licht, die warmen Farben
ist es der sanfte Wind
ist es die Ruhe, die Einsamkeit
sind es die feinen Düfte
ist es das Schattenspiel der Bäume

sind es die Menschen
sind es die Übungen
ist es Köbi
ist es der Tagesablauf
ist es der Wechsel zwischen Ruhe und Bewegung
sind es die überraschenden Nachtessen
ist es das Strahlen der Menschen
sind es die intensiven Gespräche
bin ich es der aufmerksamer ist
oder ist es das Ganze was mich so berührt

Es ist die Dankbarkeit solches zu erleben und
wahrnehmen zu dürfen mit allen Sinnen.
Ein herzliches Dankeschön allen Menschen, die dazu beigetragen haben.

Samstag & Sonntag– wirken lassen & heimreisen

Einige bleiben noch, ein Teilnehmer wird fliegen. Die anderen ziehen in Grüppchen gen Norden, wo die Fähre einst warten wird.

Dabei offenbart sich Bastia als bis jetzt unentdecktes Kleinod.

Bastia-Impression 1
Bastia-Impression 2
Bastia-Impression 3
Der Hafen von Bastia

Und das Wetter? Es hat durchgehalten.

Auf der Fähre verabschiedet sich Korsika mit einem Gewitter in den Bergen.

Auch nach zehn Jahren gibt es noch sehr, sehr viel zu entdecken. Innen und außen. Ich freue mich auf zehn weitere Jahre Entdeckungsfahrten.

Wo uns die Reise noch hinbringen wird?

Bastia-Panorama